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Dolmetschlösungen: Mensch, KI oder beides?

Woran wir festmachen, was eine Veranstaltung sprachlich braucht – und was ein Projektleiter und eine Dolmetscherin aus ihrem Alltag berichten.

Meschliche Dolmetscherin und KI-Dolmetschlösungen können sich ergänzen
10. August 2026

Seit dem KI-Boom taucht auch bei der Verdolmetschung immer wieder die Frage auf: Mensch oder KI? Wir halten sie für die falsche Frage.

Denn wenn ein Kunde bei uns anruft, geht es nie ums Prinzip. Es geht um eine konkrete Veranstaltung, mit eigenem Publikum, eigenen Inhalten, eigenem Ablauf. Und die Antwort fällt jedes Mal anders aus.

Die erste Frage im Beratungsgespräch lautet deshalb nicht, ob KI infrage kommt. Sie lautet: Was passiert auf dieser Veranstaltung? Spricht überwiegend eine Person, oder diskutieren sechs Leute mit schnellen Wechseln? Von dieser Unterscheidung hängt fast alles Weitere ab. 

KI ist nicht gleich KI

Bei Diskussionen mit häufigem Sprecherwechsel arbeiten wir mit einer Textübersetzung, Speech to Text. Die Verzögerung liegt bei zwei bis drei Sekunden. Teilnehmer lesen mit, auf dem eigenen Smartphone per QR-Code, im Browser, auf einem zweiten Bildschirm oder als Untertitel auf der Leinwand. Für ein Podium, auf dem sich drei Leute ins Wort fallen, ist das die brauchbarere Variante. Wer liest, verliert den Faden nicht, wenn der nächste Sprecher schon angefangen hat.

Bei Reden, Vorträgen, Präsentationen und Webinaren geben wir die Verdolmetschung als Audio aus, Speech to Speech. Sie braucht länger, etwa vier bis sechs Sekunden, liefert dafür bessere Ergebnisse und lässt sich über Kopfhörer hören statt lesen. Die durchschnittliche Verzögerung von 4,1 Sekunden liegt ungefähr in dem Bereich, in dem auch menschliche Dolmetschende arbeiten.

Welche KI-Variante passt, entscheidet also das Format. Ob überhaupt KI passt, entscheidet etwas anderes: wie viel an den Inhalten hängt.

Wann Menschen die bessere Wahl sind

Bei einem dreitägigen Fachkongress mit Podiumsdiskussionen, Zwischenfragen und Rednern, die vom Manuskript abweichen, empfehlen wir professionelle Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Nicht aus Haltung, sondern weil dort alles zusammenkommt, was Verdolmetschung schwer macht: Fachterminologie, kulturelle Anspielungen, Ironie, undeutliche Sprecher, ein Themenwechsel, der auf keiner Agenda stand. Menschen bereiten sich auf ein Thema vor. Sie merken, wenn ein Satz nicht angekommen ist. Sie können reagieren.

Bei einer neunzigminütigen Produktvorstellung, bei der drei Gäste aus Spanien im Publikum sitzen, sieht die Rechnung anders aus. Hier macht KI eine Sprache möglich, die sonst überhaupt nicht angeboten worden wäre, weil sich der Aufwand für drei Personen nicht gerechnet hätte.

Und in vielen Fällen ist es beides. Ein Sprachkanal wird mit echten Dolmetschenden besetzt, weitere Sprachen kommen über KI dazu. Ausgespielt wird das gemischt: klassische Empfängertechnik mit Kopfhörern für die Hauptsprachen, Smartphone oder Browser für den Rest.

Vorbereitung macht den Unterschied

KI-Verdolmetschung ist nicht perfekt, und wir behaupten das auch nicht. Was sie deutlich besser macht, ist Vorarbeit. Wir hinterlegen bis zu 500 Schlüsselbegriffe und bis zu 500 Begriffe, die gar nicht übersetzt werden sollen. Produktnamen. Abkürzungen. Firmennamen, die sonst als normales Wort im Zieltext landen.

Bei einer Veranstaltung mit viel Fachvokabular entscheidet dieses Glossar über die Qualität – nicht die Frage, welches System läuft.

Wo wir von KI abraten

Gremiensitzungen. Verhandlungen. Medizinische und juristische Inhalte. Alles, wo ein einzelner Satz Konsequenzen hat und wo Gesprochenes den Raum nicht verlassen darf.

Technisch ließe sich das zwar abbilden: Die Server stehen in Europa, das System ist DSGVO-konform abgesichert, Aufzeichnungen und Transkripte werden nach 30 Tagen gelöscht, auf Wunsch früher. Trotzdem raten wir bei solchen Formaten ab. Dort ist der Preis die zweite Frage, nicht die erste.

3 Fragen an...

unseren Kollegen Nils Fuchs, Projektleiter bei The Cue Group Berlin - Team PCS. Nils plant unter Anderem mehrsprachige Veranstaltungen, sitzt somit in Gesprächen, in denen entschieden wird, ob eine Veranstaltung Dolmetschkabinen bekommt, einen KI-Kanal oder beides.

1. Woran erkennst du, was eine Veranstaltung sprachlich wirklich braucht?

Zuerst der Zweck. Geht es um fachlichen Diskurs, um ein informelles Treffen oder eigentlich um Smalltalk? Danach schaue ich auf die Bühne. Steht dort eine Person am Pult, oder wechseln sich auf einem Podium fünf Leute ab und springen dabei noch zwischen zwei Sprachen?

Unterschätzt wird der Raum. Schlechte Akustik, Nebengeräusche, ein Publikum, das mitredet: Das ist für eine KI schwieriger als jedes Fachthema. Ein Mikrofonsignal mit halbem Saal im Hintergrund bringt jedes System an die Grenze.

Und ich frage früh, ob Material vorliegt. Gibt es ein Glossar und Manuskripte, sieht meine Empfehlung anders aus als bei einer Agenda mit fünf Stichpunkten.

2. Was steht auf dem Spiel, wenn Verständigung nicht funktioniert?

Im schlimmsten Fall ein Eklat.

Wenn eine politische Botschaft falsch ankommt, fällt das im Raum zunächst womöglich noch nicht auf. Der Schaden entsteht später, wenn jemand mit etwas zitiert wird, das er nie gesagt hat. Ein professioneller Dolmetscher verdolmetscht nicht nur, er ordnet ein: historisch, politisch, fachlich. Er weiß, welche Formulierung in welchem Land besetzt ist und welche nicht.

3. Was hat sich im Bereich Mehrsprachigkeit in den letzten drei Jahren tatsächlich verändert – nicht in der Diskussion darüber, sondern im Alltag?

Englisch wird immer selbstverständlicher als Geschäftssprache. Das führt dazu, dass bei kleineren Meetings öfter ganz auf Simultanverdolmetschung verzichtet wird, meist aus Kostengründen. Die zwei oder drei Teilnehmer, deren Englisch dafür nicht reicht, sitzen dann eben dabei und verstehen die Hälfte.

Genau da hat sich etwas verschoben. Für diese kleine Gruppe lohnt sich heute ein KI-Kanal, der früher nie im Budget gestanden hätte. Einmal eingerichtet, stehen sofort zahlreiche Sprachen bereit.

Wie steht eine Dolmetscherin zum Thema KI?

Elena Sander dolmetscht bei Notar-, Gerichts-, Behörden- und Krankenhausterminen. Dort begleitet eine Verdolmetschung kein Programm, sondern eine Unterschrift, eine Diagnose, eine Aussage.

  • Bei meinen Einsätzen kommt es vor Allem auf Fachwissen und Dolmetschkompetenz an. Fachwissen sammelt sich im Laufe der Jahre an. Reicht es für einen Termin nicht aus, muss ich mich ausführlich vorbereiten – und dabei hilft mir KI erheblich.

    Elena Sander, interpreter

Ich lasse mir Zusammenfassungen und Terminologielisten erstellen, Fragen beantworten, Erklärungen formulieren.

Bei schriftlichen Aufträgen nutze ich sie täglich. Ich frage nach der Abgrenzung von Begriffen und wo welcher passt, nach besseren Übersetzungsvorschlägen, nach Schreibfehlern. Das hat meine Arbeitsweise deutlich erleichtert und beschleunigt. Korrekturlesen gebe ich inzwischen gar nicht mehr in Auftrag, das spart mir Zeit und Geld.

Mehrsprachige Veranstaltung geplant?

Wir beraten Sie, welche Form der Verdolmetschung zu Ihrem Format passt – und liefern die Technik gleich mit. Dolmetschkabinen, Sprachkanäle und Empfänger genauso wie Ton, Licht, Video, Streaming und die Betreuung vor Ort.

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