Kurze Definition
Latenz bezeichnet die Zeitverzögerung zwischen dem Entstehen eines Audio- oder Videosignals und seiner Wiedergabe beim Empfänger – bei Konferenzen ein kritischer Qualitätsfaktor.
Ausführliche Erklärung
Latenz ist unsichtbar – bis sie zu einem Problem wird. Bei einem Livestream mit zwei Sekunden Verzögerung kein Drama. Bei Remote-Dolmetschen, wo der Dolmetscher in Echtzeit auf den Redner reagieren muss, kann schon eine Verzögerung von mehr als 200 Millisekunden die Arbeit erheblich erschweren.
Latenz entsteht an verschiedenen Stellen in der Signalkette: bei der Analog-Digital-Wandlung, der Signalverarbeitung im Mischpult oder Konferenzsystem, der Übertragung über Netzwerke und der Dekodierung beim Empfänger. Professionelle Systeme sind darauf ausgelegt, diese Verzögerungen so gering wie möglich zu halten.
Bei hybriden Konferenzen mit Remote-Teilnehmern oder Remote-Dolmetschern ist Latenz eines der zentralen technischen Probleme. Hier müssen alle Systemkomponenten – Videokonferenzplattform, Dolmetschplattform, Internetverbindung – aufeinander abgestimmt sein. Normen wie die ISO 24019 definieren Grenzwerte für akzeptable Latenz in RSI-Systemen.
Relevanz im Themenbereich
Latenz ist besonders im Simultandolmetschen und bei hybriden Veranstaltungen kritisch. Zu hohe Latenz macht professionelles Dolmetschen unmöglich und beeinträchtigt die Kommunikationsqualität erheblich.
Praxisbeispiel
Bei einem Remote-Interpreting-Einsatz klagt das Dolmetscherteam über störende Echos und Synchronisierungsprobleme. Eine Messung zeigt: Die Latenz des eingesetzten Systems liegt bei 600 ms – deutlich über dem empfohlenen Grenzwert. Ein Wechsel auf eine niedriglatente RSI-Plattform löst das Problem.
Verwandte Begriffe
Remote Interpreting, ISO 24019, Streaming, Bandbreite, Simultandolmetschen, Videokonferenz